Donnerstag, 11. Dezember 2008

Grenzgänge

Die von mir völlig zu Unrecht jahrelang sträflich vernachlässigten Kings of Leon liefern den Soundtrack für diese letzte Reise während des Erasmusaufenthaltes. Wir machen rüber. Über die Grenze nach Nordirland. Von Galway nach Sligo, dort umsteigen in den Minibus (Gefühl wie Nachwuchsband auf Tour) in das nordirische Enniskillen. Von dort geht es weiter mit dem Ulsterbus nach Belfast. Der Grenzübertritt vollzieht sich schleichend. Meilenangaben am Straßenrand. Gelbe Autokennzeichen. Alles ist plötzlich so viel sauberer und wirkt so viel wohlhabender. Der Union Jack wehr von unzähligen Fahnenmasten am Wegesrand. Man hat die Insel nicht verlasssen und ist trotzdem in einem anderen Land.

Belfast schließlich präsentiert sich von seiner besten Seite. Alles ist weihnachtlich geschmückt. Eine wesentlich kleinere Version von London, mit tollerem Dialekt. Der heiß ersehnte Continental Christmas Market erfüllt alle Hoffnungen und Erwartungen: Kokosmakronen, Bratwurst, Raclette und die obligatorischen Knobi-Champignons. Der Markt ist direkt vor der City Hall und wird von einem überdimensionalen Riesenrad überragt. Auch hier macht sich jedoch wieder die irische Eigenart bemerkbar, die Außentemperaturen komplett zu ignorieren. "-40 Grad: der Ire denkt darüber nach, seine Flip Flops für festes Schuhwerk einzutauschen.". Tief in seinem Innern hält der Ire sich für einen Mittelmeereuropäer und weigert sich darum konsequent, die ganz und gar nicht mediterranen Temperaturen anzuerkennen. Auch hier im Norden.

Überhaupt sind die Unterschiede erst auf den zweiten Blick bemerkbar. Im Stadtzentrum von Belfast merkt man von Terror und Teilung nichts. Einzig die Tatsache, dass es am Bahnhof keinerlei Schließfächer oder ähnliches gibt, ist ein kleiner Hinweis auf die blutige jüngere Geschichte. Anders ist die Lage jedoch in den Bezirken Shankill und Falls, unweit der Innenstadt. Die Shankill Road liegt im protestantischen Arbeiterviertel, während die Falls Road den Beginn des katholischen Teiles markiert. Beide Viertel grenzen aneinander und sind getrennt durch die "Peaceline", deren Tore am Abend geschlossen werden. In der Dämmerung ist dieser Anblick besonders bedrückend. Gleiches gilt für die teilweise beägstigenden Wandmalereien in beiden Teilen der Stadt. Unser Taxifahrer auf der Black Cab Tour gibt sich größte Mühe, den Konflikt neutral zu schildern. Dennoch ging mir die ganze Zeit über einfach nicht aus dem Kopf, dass es diese Black Cab Tours überhaupt nur deshalb gibt, weil es bis vor 10, 15 Jahren einfach zu gefährlich war mit dem Bus zu fahren, aufgrund der vielen Bombenanschläge.

Unseren vorletzten Tag in Nordirland verbrachten wir dann auf einer Paddywaggon-Tour zum Giant's Causeway und nach Derry. Auf einem Zwischenstopp in Carrick-a-Rede erhaschten wir einen Blick über die irische See herüber nach Schottland, das nur 20 Meilen entfernt ist. Die gesamte Landschaft dort im Norden erinnert an Schottland, ganz besonders die vielen schneebedeckten Berge. Nichtsdestotrotz geht der Ire auch bei diesen frostigen Temperaturen ungerührt surfen, wie wir auf dem Weg Richtung Giant's Causeway sehen durften. Vor Ort dann auch erstmal Hagel, wie sich's gehört.

Danach ging es weiter nach Derry. Die Stadt liegt direkt an der Grenze zur Republik Irland. Hier fand 1972 das Massaker statt, das U2 in ihrem Song "Sunday, Bloody Sunday" besingen. Die britische Armee erschoß 14 Menschen, die an einer Demonstration für Gleichberechtigung von Katholiken teilnahmen. In Derry, das offiziell weiterhin Londoderry heißt, ist der Nordirlandkonflikt noch immer spürbar und erscheint mir greifbarer als in Belfast. Das liegt vielleicht auch daran, dass der Friedhof der Stadt direkt am Hang gelegen ist und so fast von überall in der Stadt zu sehen ist. So scheinen die Toten über Derry zu blicken. "Stranded in this spooky town...", denke ich.
Rory, der Guide der uns durch Derry führt, grüßt jeden zweiten Passanten auf der Straße mit Namen. Ganz anders als der Fahrer auf der Black Cab Tour versucht Rory erst garnicht seine Meinung und Herkunft zu verbergen. "I'll never recognize any form of British authority" sagt er. Und erzählt in einer oft fast zu bildhaften Sprache, dass die Menschen hier nicht die IRA sondern die britische Armee als Terroristen wahrnehmen. Dass die Soldaten hier das Recht hatten, jeden der ihnen verdächtig erschien ohne Grund und für unbestimmte Zeit festzuhalten und dass Margaret Thatcher der Antichrist ist.
Aber er sagt auch, dass die Menschen in Derry früh lernen müssen, dass es nicht die eine Wahrheit gibt. Sondern dass es immer gilt, die Dinge die man liest, hört, manchmal auch das was man sieht, zu hinterfragen.
Wir fahren durch die Dämmerung zurück nach Belfast, durch dieses rauhe, wunderschöne Land. Und ich frage mich, ob die Iren im Norden und im Süden sich wohl als ein Volk begreifen. Und ob sie es jemals sein werden.

Samstag, 29. November 2008

Thanksgiving Fotos







Durch die Nacht mit...

...Liebe und Kartoffelbrei. Gestern haben wir alle zusammen ein herrliches Thanksgiving Dinner zelebriert. Laura und Lizzie haben es auf sich genommen den Truthahn zu bändigen, haben ihre Wohnung zur Verfügung gestellt und sich schlicht und ergreifend selbst übertroffen. Wer von Tesco mit dem Taxi nach Hause fahren muss, einfach aufgrund der schieren Masse an Lebensmitteln und Dekoration, hat sich den Titel 'Thanksgiving-Traumpaar 2008' redlich verdient. Für Team Germany - zuständig für besagten Kartoffelbrei, der von meiner Behausung in einem großen Topf nach Dunaras getragen werden musste, einen kleinen Zwischenstopp im Einkaufswagen bei Dunnes miteingerechnet - war dieses Fest eine Premiere. Und wir mussten das Resume ziehen, dass uns durch das Fehlen dieses Feiertages im heimischen Holiday-Kalender richtig was entgeht. Es war schön und gleichzeitig traurig, meinen Freundinnen aus Amerika zuzuhören, wie sie von ihren Erinnerungen berichteten. Wie sie die traditionellen Thanksgiving dishes vorbereitet haben und von den kleinen speziellen Rezepten erzählten, die jede Familie hat. Alice kommt aus Kalifornien und sagte, dass ihre Eltern und Geschwister ein schönes Barbecue veranstaltet haben und Amanda aus Pennsylvania vermutete,dass ihre Mutter wahrscheinlich gerade damit beschäftigt ist, Truthahnreste einzufrieren, die für die nächsten 5 Jahre reichen werden. Ich probierte ein Gericht, dass Katherine und Sarah vorbereitet hatten: the infamous Hash Brown Casserole. Unvorstellbarerweise kombiniert dieses Gericht Kartoffeln, eine mit Sicherheit ungesunde Menge Käse - und Cornflakes. Es bewahrheitet sich jedoch auch hier die Weisheit, dass es nichts schlechtes gibt, an dem Käse beteiligt ist - es wahr deliziös. Nachdem wir uns die Mägen fast bis zur Besinnungslosigkeit vollgeschlagen hatten (ich verfluchte mal wieder die Unbezahlbarkeit von Schnaps auf dieser Insel!) waren mehrere Runden binationales Tabu angesagt, in deren Verlauf Amanda mindestens 2 Mal kurz davor war, ihre Rugby-Tackle-Techniken auszupacken und Katherine beinahe ihre Stimme verloren hat. Zum Schluss hat Franzi beinahe eine Line Salz von Annes Hose gezogen...aber das ist eine andere Geschichte. Da der Wein überraschenderweise gegen 11 leer war, mussten Amanda und ich nochmal raus in die frostige Nacht. Eher ungeil ist hier die Tatsache, dass man in Irland offiziell nur bis 10 Uhr abends booze kaufen kann. Gott sei Dank gibt es jedoch auch einige Anlaufstellen, die dieses Gesetz nicht allzu ernst nehmen. Von mir liebevoll 'filthy little thingi around the corner from Dunnes' genannt, entpuppte sich der Geheimtipp als einfaches Schalterfenster mit Trinkhallencharme in dessen Untiefen man alles mögliche unter der Hand kaufen konnte. Wunderbarerweise wies jedoch ein kleiner, handgeschriebener Zettel darauf hin, dass hier strikt nach Vorgabe nur bis 10 Alkohol verkauft wird. Gegen halb 12 verließen Amanda und ich das Etablissement mit drei in braune Papiertütetn verpackte Flaschen Riesling. Wilde Sache, da kam ich mir ganz schön Ghetto vor. Dank des Weines und leichten Spuren des Überfressens blieben an diesem denkenswerten Abend natürlich auch Tränen und Liebesbekundungen nicht aus. Die Schwelle zur Sentimentalität ist 3 Wochen vor Abreise auch niedriger als sonst. Ausklingen lässt man so eine Festivität natürlich stilecht, indem man gegen 3 bräsig auf der Couch liegt und den durch Verdauung bereits geschaffenen Platz im Magen direkt wieder mit Schokomuffins und Sahne auffüllt. Insofern bin ich für die Weihnachtsfeiertage schon perfekt vorbereitet. Man kann nicht früh genug mit dem Training anfangen! Und gerade singt Barry Manilow bei Jay Leno 'Open Arms'. Ich heule gleich...ganz tief drin bin ich ein Fanilow, ich wusste es!

Mittwoch, 19. November 2008

Every friend is a victory

Noch 29 Tage bis ich den Rückflug antrete - mehr als surreale Gefühlslage. Galway ist schon herrlich weihnachtlich dekoriert, und letzten Sonntag sind Franzi, Caterina und ich morgens über den kleinen Markt in einer Seitenstraße der Shop Street geschlendert. Die Kirchenglocken spielten "Freude, schöner Götterfunken", wir schlürften unseren frischen Kaffee und sahen der Stadt beim Aufwachen zu. It was then that Cati said this sentence, "Every friend is a victory". Ich hab' an einem Sonntag vor 11 selten philosophischeres gehört. Morgen gibts bei Aldi 'German Christmas Special': Spekulatius, Lebkuchen(häuser), Stollen. Und Glühwein. Mit anderen Worten: der Einstieg in den Weihnachtswahnsinn beginnt. Überraschende Trash-Brücke USA-Deutschland: die Familie Griswold Filme mit Chevy Chase erfreuen sich internationaler Beliebtheit. Außerdem noch im Programm: Besuch von Alex und Janina, I love Cork, Priority Boarding ("Wer weiß wie se uns sonst behandeln!"), Schnüre, verliebt in Christopher Maginn ("Sprich' irisch mit mir, Baby!"), Baracknophobia (ich liebe Jon Stewart!) - und, most recently, das Radio eingeschaltet und folgenden Satz gehört: "Chris Martin announces there will be no more Coldplay in two years - wohooo!" - daraufhin kommentarlos 'The Bends' von Radiohead gespielt. Ich musste lachen.



Ein paar Fotos: Schnüre, lovely Cork, schlafen

Montag, 3. November 2008

Sligo&Halloween

So sehr ich die irische Sprache auch mag, wie man rein Aussprache-mäßig 'Sligo' in 'Schligoch' verhunzen kann, ist mir ein Rätsel. Auch die Tatsache, dass der Ire offensichtlich nicht allzusehr von der Notwendigkeit sanitärer Anlagen überzeugt ist, führt zu Nahtoderfahrungen. Okay, 2 Stunden Busfahrt kann man mal ohne Klo aushalten. Muss man aber nicht. Also muss man notgedrungen schon, weil Reisebusse ja offensichtlich nicht mit einer Toilette ausgestattet sein müssen. Dafür regnet's dann aber in den Bus rein, was ja irgendwie auch ein Ausgleich ist. Nichtsdestotrotz war unser kleiner Trip gen Norden eine gute Entscheidung. Sligo ist eine wunderschöne Stadt, die direkt an einem Berg liegt, der aussieht wie der Tafelberg in Kapstadt. Ich hab natürlich wieder nicht aufgepasst, wie der heißt - dammit! Ach, ja und Wasser hat es da auch, so den Atlantik...weisse Bescheid?! Oh Mann, ich habe das Gefühl, irgendein Zombie hat mir das Gehirn ausgelutscht. Sprechen=schwer. Wo war ich? Sligo, genau. Je weiter man von Galway aus Richtung Norden fährt, desto rauher und unwirtlicher wird die Landschaft. Selbst um Galway herum hat man ja bereits die Karstlandschaft des Burren oder die weiten Torffelder Connemaras, aber Richtung Sligo werden die Berge massiver, es ist neblig und kaum noch grün. Ein bißchen sieht es so aus, wie ich es mir in den schottischen Highlands vorstelle. Ich bin gespannt, wie es wohl noch weiter nördlich - in Donegal beispielsweise - sein mag. Hier soll das Land noch atemberaubender sein und außerdem sagen alle Iren, die ich bis jetzt getroffen habe, die Leute aus Donegal hätten den schönsten Akzent - weil er schon fast schottisch klingt. Ansonsten haben wir uns in Sligo einen netten Abend gemacht, geradezu königlich gespeist, Weinchen getrunken und hinterher noch im Pub einer fantastischen Sängerin gelauscht. Amanda hat sich das wahrscheinlich größte Pint der Welt bestellt und später mussten wir mit dem Taxi ins Hostel fahren. Vorher waren wir allerdings noch im Tesco und haben die Halloween-Abteilung unsicher gemacht. Ich lag da auch irgendwann auf dem Boden...
Irgendwie seh' ich garnicht verkleidet aus...

Amanda und das wahrscheinlich größte Pint der Welt...

Ach ja, Halloween. Hat sich mir irgendwie wie eine Mischung aus Fasching (mit mehr Blut) und Silvester aufgedrängt. Hier in der Stadt war am Donnerstag und am Freitag High Life, das komplette Zentrum voll mit Mumien, Vampiren, Teufeln, Superhelden, Teletubbies. Meine persönlichen Verkleidungshighlights waren allerdings: Slim Shady, Towlie, das ewig bekiffte Handtuch aus 'South Park', i-pod und ein Mädel ist als Gitarre gegangen - sensationell. Sensationell übrigens auch das folgende: in der Großraumdisse (also Großraum für Galway-Verhältnisse) anstatt DJ erstmal eine Liveband am Start, die hintereinander weg folgende Liedkombination zum besten gibt: Wonderwall-Starlight-Bohemian Rhapsody-Time is running out-Killing in the name of-Tribute und als Rausschmeißer: Hey Jude. Das hat mich froh gemacht und ich betrachte es als unfassbaren Service an meinen geschundenen Trommelfellen. Einziger irritierender Punkt: all diese jungen Hüpfer kannten Tenacious D nicht. Und bei Killing in the name of war ich auch fast die einzige, die mitsingen konnte...erzieherische Maßnahmen sind notwendig...

I'll keep you updated*

Sonntag, 19. Oktober 2008

Herbsthalbzeit

Das Laub raschelt unter meinen Schritten, der Atlantikwind frischt auf und wächst sich zu einem Sturm aus. Sprühregen, Irish Mist. Es ist unfassbar: erst zwei Monate, schon zwei Monate. Wo ist die Zeit nur geblieben? i-tunes fördert Johnny Cashs Version von 'Hurt' zu Tage, und ich kann es ertragen, zum ersten Mal seit Ewigkeiten. On a Sunday.
I know, I'll be coming home to you.
I know I'll be leaving home for you.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

im westen nichts neues

So, Freunde...es gibt nicht allzu viele Neuigkeiten aus Irland zu vermelden. Das Leben geht seinen gewohnten Gang und urplötzlich ist ultraviel für die Uni zu tun - was damit zusammenhängen könnte, dass ich den ersten Monat auch nicht wirklich mit uni-relevantem Gedöns vertan habe. Meine Eltern waren zu Besuch, wir haben viel Touri-Kram in Dublin gemacht und sogar das Book of Kells für die Guiness-Brauerei links liegen lassen. Am Sonntag bin ich dann ganz erledigt nach Galway zurückgekehrt. Ich muss sagen, dass mich die Großstadt auch im zweiten Anlauf nicht wirklich vom Hocker reißen konnte - mit Ausnahme des Promi-Vorortes Dalkey. Direkt an der irischen See gelegen ist es hier wirklich ganz schnucklig. Heute Abend ist Fussball im Fernsehen. Irland-Zypern, ein Klassiker. Allerdings ist Fussball (hier übrigens auch 'soccer' genannt, um Verwechslungen mit Gaelic Football zu vermeiden) auf der Insel nur der viertwichtigste Sport und rangiert in der Beliebtheit hinter Rugby, Hurling und eben Gaelic Football. Man muss auch ehrlich zugeben: wenn man mal so ein Rugby-Spiel gesehen hat, wirkt daneben alles andere wie weichgekocht. Meine Freundin Amanda ist hier an der Uni dem Rugby-Team beigetreten und schon total Feuer und Flamme. Ich habe ihr vorgeschlagen, dass sie vor ihrem ersten Spiel unbedingt noch einen richtig furchteinflößenden Spitznamen braucht, zum Beispiel 'Jawbreaker'. Was ist das? Autokorso??? Hab' ich was verpasst? Nee, doch nicht! Nur irgendwelche Prolls. Ach apropos: ich hatte mich ja hier in einer Proll-freien Zone gewähnt, zumindest anfangs. Als die Uni allerdings losging, musste ich feststellen: picklige, pubertierende Bratzen all überall. Mit 17 mit der Uni anfangen ist für den Mitstudierenden auch rein optisch oft schwer zu ertragen. Und die Jogginghosen-Dichte erst - ihr ahnt es nicht. Des weiteren bin ich fleißig auf ticketmaster.ie unterwegs, denn ich habe eindeutig Konzertnotstand. Bisher habe ich aufgetan: Motörhead an Halloween, Dirty Pretty Things im lokalen Indieschuppen und Tracy Chapman für 50 Tacken. Hmmmmmmm...ich werde euch davon berichten. Bis dahin!

Sonntag, 28. September 2008

Once I Pass'd through a Populous City

finally captured: die Nachfüllstation für Seitengescheitelte

unfassbare Beinfreiheit, aber kein Klo!

Wenn die Stimmung richtig ist, kann man sich dem Strom der Großstadt an einem Samstag hingeben. Kann sich treiben lassen durch und mit den Menschenmassen. Wenn man den Monat in der Kleinstadt im Westen des Landes verbracht hat, dann ist man ein wenig überrumpelt. Nicht mehr gewohnt, sich seinen Weg zu bahnen. Ein wenig irritiert, wenn die Leute plötzlich nicht mehr "Hi, how are you?" sagen. Und von der Hauptstadt nicht besonders positiv beeindruckt. Alles ist sehr britisch, findet man. Allem fehlt das Irische, denkt man. So, als habe die Zeit in Galway, dem Tor nach Connemara, einen schon fast selbst zum Gälen gemacht. Das nervige Rumgeschiebe vor dem Book of Kells, der historischen Bedeutung so unangemessen. Dann betritt man die Bibliothek und hat das Gefühl, einem bleibe die Luft weg. Hier ist es nun. Ich erinnere mich an einen Abend vor vielen Jahren, als ich im Pub saß und ein Bild, aufgenommen aus genau der Perspektive die sich mir gerade bietet, über mir hing. Ich dachte: "Dort will ich sein." Aber ich habe mich dort alleine gesehen, in Ruhe. Ich wollte die Bücher anfassen und riechen und den Tag an mir vorbeiziehen lassen, lesend. Unmöglich. Ein Gedankenfoto und dann weiter zum Souvenirshop. Auf der Fahrt nach Hause, raus aus dem Lichtkegel blickt man aus dem Busfenster ins schwarze Nichts. Es ist so unvorstellbar dunkel und einsam. Nur die vereinzelten Haltepunkte offenbaren, dass dort draußen tatsächlich Menschen leben. Sie stehen vor den Bars und rauchen und man merkt: Dorf ist auch überall auf der Welt gleich. Und man freut sich auf daheim.

Freitag, 19. September 2008

International Talk Like A Pirate Day

Ist heute. In meiner Vorlesung sitzt zwei Reihen hinter mir ein Junge mit Augenklappe. Leider hat niemand einen Papagei auf der Schulter oder eine Hakenhand. Dass es sowas wie einen Feiertag zu Ehren von Seemannsgarn gibt, weiß ich auch erst, seitdem ich den Kalender der Student's Union der Uni Galway habe. Den gibt es zum Semesteranfang für umme und alle. Neben einem richtigen Kalender mit Datum und Wochentag und so finden sich darin eben auch solch nützliche Informationen. Eigentlich ist das Ding ein Überlebensguide. Es verrät einem die hohe Kunst der irischen Mülltrennung ("Es hat Essen berührt! Also ist es nicht recyclebar!" "Du willst die Butterdose doch nicht etwa ungespült entsorgen, oder?"), anschaulich bebildert. Es beinhaltet alle Öffnungszeiten - Bookshop, Bibliothek und College Bars - und eine Übersicht über das umfangreiche Sport- und Clubleben. Ich sage nur: Bogenschießen! Und natürlich mein Favorit: die Nothing Specific Society. Wertvolle Tips zum Thema Alkohol und Illegale Drogen nicht zu vergessen: "Start drinking late!", "Don't drink more than ten pints a week!" "Most drugs have positive and negative effects as well as potential risks!". Es gibt sogar Kochrezepte, und was ist wohl eines davon? Quasi die kleine Schwester vom frittierten Mars! Mars und Rice Crispies in geschmolzener Butter braten und dann nochmal schön geschmolzene Schokolade drüber. Hmmmmmmmm. Aber der absolute Knaller ist das A bis Z: Besorg' dir 'ne Wärmflasche! Keyring! Uggs! Umbrella! Yellow Thing! Weekend! Apropos Weekend: der irische Student fährt am Wochenende heim. Beziehungsweise lässt sich von Mutti abholen und nimmt Schmutzwäsche mit heim und Essen mit zurück. Des weiteren hat mir mein Mitbewohner Arne erzählt, dass die irischen Studenten bereits dreimal mündlich und einmal per Mail darauf hingewiesen worden sind, dass im Moment die Mumps die Runde an der Uni macht und erhöhte Ansteckungsgefahr besteht. Den internationalen Studenten hat das natürlich wieder keiner gesagt, aber never mind, right? Warten wir einfach bis zur Shag Week im Februar und stecken uns da an...ich meine: SHAG WEEK. Kein Scherz! Und wo wir gerade beim Thema sind: falls irgendjemand überlegt, mal rüber zu kommen...in Galway findet am 25. und 26. Oktober das Great Irish Beer Festival statt.
Cheers*

Freitag, 12. September 2008

Mal so ein kurzes Update...

--> Neue Mütz und rattenscharfer Gesichtsausruck...geht Hand in Hand!...und noch ein paar Fotos für zwischendurch. Gerade habe ich mir eine weltklasse Kartoffelsuppe gezaubert, dazu gab's 'nen crazy Smoothie von Sheila. Grand! Ohne 'e'. Mit ist der Lebensretter-Latte in der Uni-Cafeteria. Mein armer Mitbewohner Arne hat das ganze Wochenende Nachtschicht im Hostel und muss vorschlafen. Ungeil. Heute ist ein richtig schöner, sonniger und milder Abend, siehe hier:



Geht aber auch anders, so nämlich:

Ich dachte mir außerdem, ich mache mal ein paar Fotos von meinem cosy room:

Kuschelbett

Kleiderschrank, proudly sponsored by Penney's

Lektüre

ansonsten kloppe ich vielleicht einfach nochmal ein paar Bilder bei sudivz online.

So long...

Sonntag, 7. September 2008

my heart will go on like a bat out of hell, dancing queen!




Ja ja, Karaoke. Bohemian Schnapsidee. Galway Hooker. Du ahnst es nicht! Rock'n'Rolla bei Celine Dion, Carlsberg on the Dancefloor. Das Studentenleben fängt mit einer Karaokeparty an, nicht die schlechteste aller Ideen, wie sich heraustellt. Zusammen gröhlen verbindet, wie wir alle wissen. Ein weiterer Erasmus, ich sach' ma' Typ Teim, knallt erstmal "Bat out of hell" von Meat Loaf raus. Noch ein Schnaps und die Anne und ich wären auch am Start gewesen - leider leider war dann Schluss. Zwischendurch intensive talsk und no copies. Bei der Einführungveranstaltung erstmal der Police-Officer am Start, der die ca. 99% amerikanische Studenten eiskalt abbügelt. Ich war kurz vor der Standig Ovation.

Montag, 1. September 2008

angekommen.endlich.

Aller Anfang ist schwer. Ich war nicht darauf vorbereitet, wie einsam ich mir vorkommen würde. Jedoch merkt man mit der Zeit: alleine reisen macht einen zwangsläufig offener. Man kommt viel eher mit Menschen ins Gespräch. Mit Shawn aus Minnesota, USA zum Beispiel, der auf dem Flug nach Shannon den Schauspieler Aidan Quinn getroffen und sich sein Autogramm besorgt hat. Der mich am Ende des Tages zu einem Eis einlädt und mit einer Umarmung von mir verabschiedet. Oder das nette Mädchen aus der Nähe von Zürich, das einen Sprachkurs hier macht. Und auch Esther heißt. So streifen wir durch Connemara: Esther, Esther und Shawn.




Der letzte Film, den ich vor meiner Abreise gesehen habe war "Into the Wild". Ich musste oft daran denken in den letzten Tagen. Ich stand dort, inmitten von Rauheit und wilder Schönheit, inmitten einsamer Berge, inmitten abgelegener Täler, deren Flüsse schwarzes Wasser führten. Die Luft riecht nach Torf da draußen. Es ist atemberaubend. Es ist so wunderschön. Und ich habe mich dafür gehasst, dass ich die ganze Zeit die Kamera zwischen mir und dieser Schönheit hatte, so als könnte ich sie nicht direkt an mich heranlassen, als ob es dann alles zu real werden würde, zu direkt, zu nah. Denn wie sich herausstellt stimmt es tatsächlich: Happiness is only real when shared. So oder so notiert es die Hauptfigur in "Into the Wild". Diese unfassbare Landschaft, die Wolken, deren Schatten sich an den Hängen der Berge abzeichnen - ich wünschte, ich hätte es jemandem direkt zeigen können, es vor Ort mit jemandem teilen können, anstatt es nur zu fotografieren und als elektronische Konserve zu verwerten.






Mein neuer Freund Rio und ich haben heute einen Ausflug an den Strand gemacht. Rio ist mein neues Fahrrad, dass ich für schlanke 80 Tacken 4 Monate lang gemietet habe. Linksverkehr und Schauer (schließlich regnet es in Irland nicht, das sind immer nur kurze Schauer!) und bei Gegenwind die Strandpromenade entlangpetzen...das ist gut. Dass ich echt am Meer lebe jetzt - unbegreiflich. Und dass ich theoretisch - also wenn ich ein Auto hätte - auch mal spontan an der EMO-Tankstelle tanken könnte, ebenso.








Sonntag, 24. August 2008

Konzerte, Konzerte

Nochmal schnell was hinterher: 5. Oktober, Melvins, Galway
13. Dezember, Electric Six, Dublin

So kurz bevor's losgeht...

Jetzt sind es also noch genau 3 Tage, bis ich weg bin. Komisches Gefühl. So ein Mischmasch aus Vorfreude, Angst, Wehmut und auch-nicht-so-recht-wissen-was. Da rasen einem die absurdesten Gedanken durch den Kopf: was ist eine realistisch kalkulierte Anzahl von Socken, die man mitnimmt, wenn man 4 Monate weg ist? Latente Angst, es gäbe in Irland keine Medikamente: also erstmal die Apotheke leer gekauft, als ginge es in ein Drittweltland. Ich ertappe mich dabei, das alles total surreal zu finden. Die Abschiede hinauszuzögern, so lange es geht. Trotzdem werde ich einige von euch nicht mehr sehen. Und die vorrübergehende Endgültigkeit dieser Tatsache wird mir wahrscheinlich erst bewusst, wenn ich alleine im Flugzeug sitze oder mit dem Zug das Land durchquere. Wenn ich aus dem Fenster auf das schillernde Grün blicke und der i-pod irgendein fieses Lied hervorshuffelt, das vom Abschied handelt. Ab und zu schleichen sich auch jetzt schon so Heul-Momente an. Zu ganz später Stunde auf meiner tollen Überraschungsparty zum Beispiel. Als der i-pod gerade "Stranger things have happened" von den Foo Fighters hervorgeshuffelt hatte. Überhaupt diese Abschiedsparty. Ich glaube ich war 90% der Zeit einfach nur emotionsgelähmt, weil ich garnicht glauben konnte, was ihr da alles für mich auf die Beine gestellt habt. Manchmal glaube ich, ich habe so tolle Freunde garnicht verdient. Und eigentlich weiß ich, dass man euch garnicht genug wertschätzen kann. Ich hoffe einfach, dass die Gewissheit, zu euch zurückzukehren, das Weggehen einfacher machen wird. So, und jetzt Schluss mit dem sentimentalen Scheiß! Noch ein paar Fotos rausgekloppt und dann Tschö mit P.

Bild 1: Herzen im Feuer.

Bild 2: Wer solche Freunde hat...

Bild 3: kommt noch in den Koffer...falls noch Platz ist, neben 27 Paar Socken, ha!