Samstag, 29. November 2008

Thanksgiving Fotos







Durch die Nacht mit...

...Liebe und Kartoffelbrei. Gestern haben wir alle zusammen ein herrliches Thanksgiving Dinner zelebriert. Laura und Lizzie haben es auf sich genommen den Truthahn zu bändigen, haben ihre Wohnung zur Verfügung gestellt und sich schlicht und ergreifend selbst übertroffen. Wer von Tesco mit dem Taxi nach Hause fahren muss, einfach aufgrund der schieren Masse an Lebensmitteln und Dekoration, hat sich den Titel 'Thanksgiving-Traumpaar 2008' redlich verdient. Für Team Germany - zuständig für besagten Kartoffelbrei, der von meiner Behausung in einem großen Topf nach Dunaras getragen werden musste, einen kleinen Zwischenstopp im Einkaufswagen bei Dunnes miteingerechnet - war dieses Fest eine Premiere. Und wir mussten das Resume ziehen, dass uns durch das Fehlen dieses Feiertages im heimischen Holiday-Kalender richtig was entgeht. Es war schön und gleichzeitig traurig, meinen Freundinnen aus Amerika zuzuhören, wie sie von ihren Erinnerungen berichteten. Wie sie die traditionellen Thanksgiving dishes vorbereitet haben und von den kleinen speziellen Rezepten erzählten, die jede Familie hat. Alice kommt aus Kalifornien und sagte, dass ihre Eltern und Geschwister ein schönes Barbecue veranstaltet haben und Amanda aus Pennsylvania vermutete,dass ihre Mutter wahrscheinlich gerade damit beschäftigt ist, Truthahnreste einzufrieren, die für die nächsten 5 Jahre reichen werden. Ich probierte ein Gericht, dass Katherine und Sarah vorbereitet hatten: the infamous Hash Brown Casserole. Unvorstellbarerweise kombiniert dieses Gericht Kartoffeln, eine mit Sicherheit ungesunde Menge Käse - und Cornflakes. Es bewahrheitet sich jedoch auch hier die Weisheit, dass es nichts schlechtes gibt, an dem Käse beteiligt ist - es wahr deliziös. Nachdem wir uns die Mägen fast bis zur Besinnungslosigkeit vollgeschlagen hatten (ich verfluchte mal wieder die Unbezahlbarkeit von Schnaps auf dieser Insel!) waren mehrere Runden binationales Tabu angesagt, in deren Verlauf Amanda mindestens 2 Mal kurz davor war, ihre Rugby-Tackle-Techniken auszupacken und Katherine beinahe ihre Stimme verloren hat. Zum Schluss hat Franzi beinahe eine Line Salz von Annes Hose gezogen...aber das ist eine andere Geschichte. Da der Wein überraschenderweise gegen 11 leer war, mussten Amanda und ich nochmal raus in die frostige Nacht. Eher ungeil ist hier die Tatsache, dass man in Irland offiziell nur bis 10 Uhr abends booze kaufen kann. Gott sei Dank gibt es jedoch auch einige Anlaufstellen, die dieses Gesetz nicht allzu ernst nehmen. Von mir liebevoll 'filthy little thingi around the corner from Dunnes' genannt, entpuppte sich der Geheimtipp als einfaches Schalterfenster mit Trinkhallencharme in dessen Untiefen man alles mögliche unter der Hand kaufen konnte. Wunderbarerweise wies jedoch ein kleiner, handgeschriebener Zettel darauf hin, dass hier strikt nach Vorgabe nur bis 10 Alkohol verkauft wird. Gegen halb 12 verließen Amanda und ich das Etablissement mit drei in braune Papiertütetn verpackte Flaschen Riesling. Wilde Sache, da kam ich mir ganz schön Ghetto vor. Dank des Weines und leichten Spuren des Überfressens blieben an diesem denkenswerten Abend natürlich auch Tränen und Liebesbekundungen nicht aus. Die Schwelle zur Sentimentalität ist 3 Wochen vor Abreise auch niedriger als sonst. Ausklingen lässt man so eine Festivität natürlich stilecht, indem man gegen 3 bräsig auf der Couch liegt und den durch Verdauung bereits geschaffenen Platz im Magen direkt wieder mit Schokomuffins und Sahne auffüllt. Insofern bin ich für die Weihnachtsfeiertage schon perfekt vorbereitet. Man kann nicht früh genug mit dem Training anfangen! Und gerade singt Barry Manilow bei Jay Leno 'Open Arms'. Ich heule gleich...ganz tief drin bin ich ein Fanilow, ich wusste es!

Mittwoch, 19. November 2008

Every friend is a victory

Noch 29 Tage bis ich den Rückflug antrete - mehr als surreale Gefühlslage. Galway ist schon herrlich weihnachtlich dekoriert, und letzten Sonntag sind Franzi, Caterina und ich morgens über den kleinen Markt in einer Seitenstraße der Shop Street geschlendert. Die Kirchenglocken spielten "Freude, schöner Götterfunken", wir schlürften unseren frischen Kaffee und sahen der Stadt beim Aufwachen zu. It was then that Cati said this sentence, "Every friend is a victory". Ich hab' an einem Sonntag vor 11 selten philosophischeres gehört. Morgen gibts bei Aldi 'German Christmas Special': Spekulatius, Lebkuchen(häuser), Stollen. Und Glühwein. Mit anderen Worten: der Einstieg in den Weihnachtswahnsinn beginnt. Überraschende Trash-Brücke USA-Deutschland: die Familie Griswold Filme mit Chevy Chase erfreuen sich internationaler Beliebtheit. Außerdem noch im Programm: Besuch von Alex und Janina, I love Cork, Priority Boarding ("Wer weiß wie se uns sonst behandeln!"), Schnüre, verliebt in Christopher Maginn ("Sprich' irisch mit mir, Baby!"), Baracknophobia (ich liebe Jon Stewart!) - und, most recently, das Radio eingeschaltet und folgenden Satz gehört: "Chris Martin announces there will be no more Coldplay in two years - wohooo!" - daraufhin kommentarlos 'The Bends' von Radiohead gespielt. Ich musste lachen.



Ein paar Fotos: Schnüre, lovely Cork, schlafen

Montag, 3. November 2008

Sligo&Halloween

So sehr ich die irische Sprache auch mag, wie man rein Aussprache-mäßig 'Sligo' in 'Schligoch' verhunzen kann, ist mir ein Rätsel. Auch die Tatsache, dass der Ire offensichtlich nicht allzusehr von der Notwendigkeit sanitärer Anlagen überzeugt ist, führt zu Nahtoderfahrungen. Okay, 2 Stunden Busfahrt kann man mal ohne Klo aushalten. Muss man aber nicht. Also muss man notgedrungen schon, weil Reisebusse ja offensichtlich nicht mit einer Toilette ausgestattet sein müssen. Dafür regnet's dann aber in den Bus rein, was ja irgendwie auch ein Ausgleich ist. Nichtsdestotrotz war unser kleiner Trip gen Norden eine gute Entscheidung. Sligo ist eine wunderschöne Stadt, die direkt an einem Berg liegt, der aussieht wie der Tafelberg in Kapstadt. Ich hab natürlich wieder nicht aufgepasst, wie der heißt - dammit! Ach, ja und Wasser hat es da auch, so den Atlantik...weisse Bescheid?! Oh Mann, ich habe das Gefühl, irgendein Zombie hat mir das Gehirn ausgelutscht. Sprechen=schwer. Wo war ich? Sligo, genau. Je weiter man von Galway aus Richtung Norden fährt, desto rauher und unwirtlicher wird die Landschaft. Selbst um Galway herum hat man ja bereits die Karstlandschaft des Burren oder die weiten Torffelder Connemaras, aber Richtung Sligo werden die Berge massiver, es ist neblig und kaum noch grün. Ein bißchen sieht es so aus, wie ich es mir in den schottischen Highlands vorstelle. Ich bin gespannt, wie es wohl noch weiter nördlich - in Donegal beispielsweise - sein mag. Hier soll das Land noch atemberaubender sein und außerdem sagen alle Iren, die ich bis jetzt getroffen habe, die Leute aus Donegal hätten den schönsten Akzent - weil er schon fast schottisch klingt. Ansonsten haben wir uns in Sligo einen netten Abend gemacht, geradezu königlich gespeist, Weinchen getrunken und hinterher noch im Pub einer fantastischen Sängerin gelauscht. Amanda hat sich das wahrscheinlich größte Pint der Welt bestellt und später mussten wir mit dem Taxi ins Hostel fahren. Vorher waren wir allerdings noch im Tesco und haben die Halloween-Abteilung unsicher gemacht. Ich lag da auch irgendwann auf dem Boden...
Irgendwie seh' ich garnicht verkleidet aus...

Amanda und das wahrscheinlich größte Pint der Welt...

Ach ja, Halloween. Hat sich mir irgendwie wie eine Mischung aus Fasching (mit mehr Blut) und Silvester aufgedrängt. Hier in der Stadt war am Donnerstag und am Freitag High Life, das komplette Zentrum voll mit Mumien, Vampiren, Teufeln, Superhelden, Teletubbies. Meine persönlichen Verkleidungshighlights waren allerdings: Slim Shady, Towlie, das ewig bekiffte Handtuch aus 'South Park', i-pod und ein Mädel ist als Gitarre gegangen - sensationell. Sensationell übrigens auch das folgende: in der Großraumdisse (also Großraum für Galway-Verhältnisse) anstatt DJ erstmal eine Liveband am Start, die hintereinander weg folgende Liedkombination zum besten gibt: Wonderwall-Starlight-Bohemian Rhapsody-Time is running out-Killing in the name of-Tribute und als Rausschmeißer: Hey Jude. Das hat mich froh gemacht und ich betrachte es als unfassbaren Service an meinen geschundenen Trommelfellen. Einziger irritierender Punkt: all diese jungen Hüpfer kannten Tenacious D nicht. Und bei Killing in the name of war ich auch fast die einzige, die mitsingen konnte...erzieherische Maßnahmen sind notwendig...

I'll keep you updated*